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Are We on Champagne Air?

Are We on Champagne Air?

Von
Kulm Hotel

Ein Interview mit Arman Naféei, Directeur d’Ambiance im Kulm Hotel über seinen spielerischen Ansatz, die glanzvolle Atmosphäre in St. Moritz zu gestalten. Vor Beginn der Saison spricht er darüber, wie er die richtigen Talente auswählt, über die Kunst, die Stimmung im Raum zu erfassen und dass es darum geht, die richtige Mischung zu schaffen – nicht nur der Musik, sondern auch des Hohen mit dem Niedrigen, der Vergangenheit mit der Zukunft und des Erwarteten mit dem Unerwarteten.

Arman, es liegt eine aufregende Wintersaison vor uns. Was können wir erwarten und wie wirst du deine Partys als Winterevents im Kulm in Szene setzen?
Jede Saison versuchen wir, etwas zu verändern, die Formel leicht zu verschieben. In den ersten beiden Jahren ging es vor allem darum, eine klangliche Identität zu entwickeln. In der ersten Saison kam der Heissluftballon dazu, der eigentlich eher eine Lichtinstallation war. Letzten Winter rückte die Eisbahn stärker in den Mittelpunkt, ergänzt durch Musik, DJs und verschiedene Kollaborationen. Jetzt, in der dritten Saison, können wir damit weiterspielen. Neben den musikfokussierten Abenden im Kulm Country Club entstehen Vinyl-Momente in der Altitude Bar. Mein Fokus liegt ausserdem auf einem neuen Element für das Eisfeld, das etwas sehr Besonderes sein wird.

Wie findest du die passenden Künstler:innen, und gibt es bereits Highlights, die du teilen möchtest?
Wir gestalten ein wöchentliches Programm und sprechen bewusst von Musik-Kurator:innen. Uns interessieren Menschen, die neugierig bleiben und ständig auf der Suche sind. Musik ist Teil ihres Alltags und nährt ihre Kreativität. Viele sind selbst Musiker:innen und tief in der Vinyl-Kultur verwurzelt, als Sammler:innen und Liebhaber:innen. Entscheidend ist die Fähigkeit, einen Raum zu lesen und den Abend musikalisch zu formen. Menschen wie Rob Low, Polocor, Higetaro, Tina Marie oder Cuyuchi haben dieses Talent. Dazu kommen in dieser Saison unter anderem Ajele, Cevincia, KAYKAY, Polysomn, Agathe, Tommiboy und Milangeles. Das wird sehr schön.

Hilft das berühmte Champagnerklima von St. Moritz dabei, die richtige Stimmung zu erzeugen?
Absolut. Im Grunde liefern wir den Soundtrack zur Kulisse. Die Landschaft, die Ausblicke, all das ist bereits da. In meinem Kopf gibt es zwei starke Bilder. Zum einen die Eröffnungsszene von Charade, hoch oben in den Alpen, sehr Jetset, bis ein Kind mit einer Wasserpistole die Gesellschaft aufmischt. Zum anderen das Finale eines Pink-Panther-Films mit Peter Sellers, wenn alle am Kamin tanzen. Diese Szenen sind wichtige Referenzen für die Atmosphäre, die ich suche. Aber es darf keine nostalgische Kopie sein. Es muss im Heute verankert bleiben und sich echt anfühlen.

«Wir belassen das Ganze elegant. Und doch gibt es immer noch eine Menge Spielerisches und Spass.»

St. Moritz trägt ein sehr klares Image. Geht es dir darum, dieses Bild zu pflegen oder neu zu denken?
Ich versuche, das Offensichtliche zu vermeiden. St. Moritz ist stark aufgeladen, mit einem bestimmten Publikum und klaren Erwartungen. Man könnte sich darauf verlassen und alles noch lauter, noch profitabler machen. Das interessiert mich nicht. Wie bei allem, was wir im Kulm tun, geht es um eine feine Balance. Für mich liegt sie zwischen Chic und Kitsch. Es darf weder das eine noch das andere sein. Genau dazwischen entsteht etwas Spielerisches, das zugleich elegant bleibt.

Wie hältst du diese Balance?
Indem wir Qualität ernst nehmen. Bei den Künstler:innen, der Musik, dem Sound, auch bei den Menschen, die wir einladen. Gleichzeitig braucht es Leichtigkeit, Humor und die Bereitschaft, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Genau dort wird es lebendig. Alles andere wirkt schnell steif oder bemüht. Ich mag es, Erwartungen sanft zu entwaffnen und Egos ein wenig herunterzufahren.

Der letzte Winter hatte viele besondere Momente. Welche sind dir besonders geblieben?
Es gab so viele, dass ich keinen einzelnen hervorheben möchte. Musiker:innen der Staatsoper Unter den Linden in der Lobby zu erleben, war aussergewöhnlich. Freunde wie Fiona Zanetti oder Perel hinter den Turntables zu haben, ebenso. Der vielleicht überraschendste Moment war jedoch das Eröffnungswochenende, das auf den Feiertag Sant’Ambrogio fiel. Wir haben die italienische Seite bewusst betont, DJs aus Neapel und Mailand eingeladen und oben im Kulm Country Club ein gemeinsames Dinner veranstaltet, das ganz selbstverständlich auf der Tanzfläche endete. Das Publikum kam aus Mailand, Zürich und vielen anderen Orten. Tommiboy und Milangeles legten auf, und plötzlich war alles da. Die richtige Anzahl Menschen, die richtige Energie, die genau richtige Mischung. Es fühlte sich an wie eine private Hausparty. Wenn man das in einem öffentlichen Raum erreicht, ist das das Schönste. Wenn uns das in dieser Saison öfter gelingt, umso besser.

«Wir werden in der Altitude Bar im Kulm einige Vinyl-Momente kreieren.»

Zwischendurch bildeten sich sogar Schlangen bis um die Ecke des Kulm Country Clubs. Worin lag das Geheimnis dieses Abends?
Wir hatten wirklich nicht damit gerechnet. Es gibt keinen Türsteher, kein grosses Aufheben. Plötzlich standen sehr viele Menschen da, und wir mussten improvisieren. Für St. Moritz ist das ungewöhnlich. Ähnlich war es bei einer kleinen Disco auf dem Eisfeld mit Pizzaofen. Eine Schlange für Pizza in St. Moritz zu sehen, war für mich der Moment, in dem ich dachte: Jetzt stimmt es.

Der Kern liegt im Spiel mit Gegensätzen. Hoch und Tief zusammenzubringen. Genau das steht im Zentrum von Are We On Air? Hochkultur trifft auf etwas Zugängliches, Öffentliches, manchmal auch Kostenloses. Auf der Strasse, im Raum, online. Wenn unterschiedliche Welten natürlich zusammenfinden, entsteht etwas Authentisches.

Dein Podcast Are We On Air? hat eine treue Community. Was zieht die Menschen an, und wie verbindet sich das mit deiner Arbeit im Kulm?
Es ist das Unerwartete. Die Gewissheit, etwas Neues zu entdecken. Es geht nicht nur um Partys. Wir hatten einmal einen Talk in Harvard, geplant für eine Stunde. Am Ende dauerte er fünf, weil niemand gehen wollte. Überraschungsgäste wie Lauryn Hill, eine Atmosphäre wie in einem Club mitten im Hörsaal. Diese Chemie entsteht aber nicht durch grosse Namen allein, sondern durch das richtige Zusammenspiel.

Genau das prägt auch unsere Arbeit im Kulm. Are We On Air? war immer eklektisch, ein Miteinander von Epochen, Einflüssen und Welten. St. Moritz und das Kulm verkörpern das auf besondere Weise. Als Schnittstelle zwischen Schweizer, deutscher und italienischer Kultur, tief verwurzelt in der Geschichte und zugleich offen für das Jetzt.