Art in Motion beim Kulm Hotel St. Moritz
Von
Mathis Neuhaus
Kuratiert von der im Engadin aufgewachsenen Diana Segantini, bringt die Ausstellung Art in Motion Reflexionen über Bewegung und Ort in einen künstlerischen Dialog. Im Rahmen des jährlichen International Concours of Elegance St. Moritz (The I.C.E.) wird der Exhibition Lawn des Kulm Hotels zum Schauplatz dieser kulturellen Begegnung.
Art in Motion entfaltet sich als Ausstellung in einem eigens errichteten Zelt, das der Bewegung in ihren unterschiedlichen Formen gewidmet ist. Gezeigt werden künstlerische Positionen, die Bewegung nicht als Spektakel begreifen, sondern als Zustand, geprägt durch das Zusammenspiel von Landschaft, Material und Haltung.
Diana Segantinis eigene Verbindung zum Engadin ist spezifisch. Sie ist in der Region tief verwurzelt. Sie wuchs in Maloja auf, am oberen Ende des Tals, inmitten der Natur, dem stetig wechselnden Licht der Region ausgesetzt. Bereits ihr Urgrossvater, der Maler Giovanni Segantini, fühlte sich vom Engadin angezogen, durch seine Höhe, das raue Klima und eine besondere Weite des Blicks. «Maloja ist ein anspruchsvoller Ort», sagt Segantini. «Er schärft die Sinne und die Wahrnehmung.» Diese Sensibilität für den Ort prägt bis heute, wie Kunst im Engadin wahrgenommen und verortet wird. Das Kunsterlebnis ist hier untrennbar mit der Präsenz der Landschaft verbunden.
Für Art in Motion bringt Segantini lokale, nationale und internationale Künstler:innen in einer Konstellation zusammen, die die Vielschichtigkeit der Region widerspiegelt. Anstelle einer einzigen Erzählung lässt die Ausstellung unterschiedliche Perspektiven nebeneinander bestehen. Skulpturen, Fotografien und Malereien setzen sich mit Bewegung, Geschwindigkeit und Transformation auseinander. «Kunst sollte zuerst berühren», so Segantini. «Man kann sie lieben, ablehnen oder ihr gleichgültig gegenüberstehen. Entscheidend ist, dass sie eine Reaktion auslöst.»
«Eine meiner zentralen Absichten war es, möglichst viele kulturelle Akteur:innen des Engadins zusammenzubringen. Es beteiligen sich Galerien und kulturelle Institutionen aus der gesamten Region.»
Das Kulm Hotel St. Moritz stellt den Ort für diese Begegnung zur Verfügung. Seit jeher mit dem kulturellen Geschehen von St. Moritz verbunden, hat das Haus sich immer wieder für künstlerische Projekte geöffnet, die über klassische Ausstellungsformate hinausgehen. Während The I.C.E. wird der Exhibition Lawn zu einem Ort der künstlerischen Kontemplation, als ruhiger Gegenpol zum Rhythmus des Events.
Diese Offenheit zeigt sich auch an einem anderen Ort auf dem Hotelgelände. Seit Dezember dreht sich das Pink Mirror Carousel von Carsten Höller auf der Eisfläche. Nicht als Teil von Art in Motion konzipiert, kreiert die Arbeit dennoch einen geteilten Moment, in dem unterschiedliche künstlerische Gesten nebeneinander existieren. Im Gespräch erwähnt Segantini Höller als Freund. Und verweist so subtil auf die Nähe zwischen persönlichen Beziehungen und künstlerischer Praxis in St. Moritz.
Segantinis Kuration ist geprägt von einer tiefen Vertrautheit mit dem kulturellen Ökosystem der Region. Kollaboration spielt dabei für sie eine zentrale Rolle. Neben bekannten Institutionen wie dem Segantini Museum oder dem Engadiner Museum verweist sie auf ein weitverzweigtes Netzwerk kleinerer Museen, Ateliers und Initiativen. Dazu zählen etwa das Muzeum Susch sowie Projekte von Zuoz über Sils bis Maloja, in denen Kunst und regionale Geschichte eng miteinander verbunden bleiben. «Eine meiner zentralen Absichten war es, möglichst viele kulturelle Akteur:innen des Engadins zusammenzubringen», sagt Segantini. «Es beteiligen sich Galerien und kulturelle Institutionen aus der gesamten Region.»
Entsprechend sucht Art in Motion nicht den Wettbewerb mit seiner Umgebung. Die Ausstellung versteht sich vielmehr als Teil eines bestehenden Gefüges. Ähnlich wie das Engadin selbst ermöglicht sie Begegnungen zwischen unterschiedlichen Welten, ohne diese in eine einzige Erzählung zu zwingen. In dieser Offenheit findet die Ausstellung ihren eigenen Rhythmus. Geprägt von Ort, Zeit und der Perspektive einer Kuratorin, die aus der Landschaft arbeitet, die sie intim kennt.
Art in Motion ist während des International Concours of Elegance St. Moritz auf dem Exhibition Lawn des Kulm Hotel St. Moritz zu sehen. Die Ausstellung vereint Werke von Schweizer und internationalen Künstler:innen, darunter John Chamberlain, Sylvie Fleury, Thomas Ruff, Not Vital und Rolf Sachs sowie weitere Positionen.
Über den Autor
Mathis Neuhaus (*1991) bewegt sich variantenreich durch die kulturellen Strömungen. Als Kurator verantwortete er von 2019 – 2024 das Musikprogramm vom Schauspielhau Zürich, als Kulturjournalist schreibt er für Plattformen, die seine Haltungen teilen. Als Redakteur gestaltet er zweikommasieben, eine Magazin, das sich der Dokumentation zeitgenössischer Musik und Sounds widmet. Geleitet von diesem Interesse hörte er auch bei seinem Besuch des Kulm Hotels genauer hin.